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Das Handy führt durchs Studium Drucken E-Mail
Geschrieben von Rüdiger Braun, Märkische Allgemeine   
Donnerstag, 19. Januar 2012

Das Handy führt durchs Studium

Masterstudenten des Faches Telematik haben Applikationen für den Wildauer Campus zusammengebracht

WILDAU - Welche Vorlesung fängt jetzt an? Kein Problem für einen Studenten der Technischen Hochschule (TH) Wildau. Er zückt sein Smart-phone, loggt sich in seine „Campus-App“ ein und sieht den nächsten Termin auf dem Bildschirm. Um 14 Uhr ist „Einführung in die Betriebswirtschaftslehre“. Aber wie finde ich jetzt den Weg in den Hörsaal? Auch das ist einfach. Die App leitet den Studienanfänger mittels Campuskarte Hausecke für Hausecke, Treppe für Treppe ans Ziel. Darüber hinaus versorgt sie ihn mit Nachrichten von Kommilitonen, informiert über das heutige Mensaessen und klingelt, bevor der Regionalzug nach Berlin losfährt.

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Foto: Rüdiger Braun, MAZ

Noch ist die „Campus-App“ Sciencefiction, aber innerhalb des Jahres könnte die Anwendung allen Studierenden von Brandenburgs größter Fachhochschule zur Verfügung stehen. Und nicht einem Software-Unternehmen wäre das dann zu verdanken, sondern Studenten des Master-Studienganges „Telematik“ selbst. Sie haben vergangene Woche funktionierende Prototypen des Systems vorgestellt.

„Die letzte Lehrveranstaltung im Masterstudiengang füllen wir meist mit einem großen Projekt“, sagt der Telematik-Professor Stefan Brunthaler. Brunthaler und sein Kollege Ralf Vandenhouten, Gründer und Sprecher des Studienganges „Telematik“, mussten vergangenen Herbst wieder ein Thema für die 22 Studenten und Studentinnen im dritten Master-Semester finden. Als sie erfuhren, dass das Marketing der Hochschule von einer Firma eine speziell auf die TH Wildau zugeschnittene „Campus-App“ für Smartphones einkaufen wollte, war für die beiden Dozenten klar: Das machen wir selbst. Sie teilten ihren neuen Kurs in zwei gleichgroße Gruppen ein, die jeweils ihre eigene Anwendung entwickeln sollten.

„Konkurrenz belebt das Geschäft“, scherzt Brunthaler. Außerdem war in den verkleinerten Gruppen organisiertes Arbeiten erst richtig möglich. Die Aufgabe sollte Verhältnisse in der Praxis möglichst genau abbilden. „Sie sollten alles selbstständig machen, so, als wären sie in einer Firma, die ein neues Produkt auf den Markt bringen soll“, erklärt Brunthaler.

In Grundzügen lösten die Gruppen das Problem auf ähnliche Weise. Sie führten Informationen von den verschiedenen Anbietern auf einem zentralen Server zusammen, der im Rechenzentrum der Wildauer Hochschule installiert werden kann. Eine zentrale App auf dem Smartphone oder Handy führt zu Unterfunktionen wie Gruppenkontakte, Campusnavigation, Stundenpläne, Veranstaltungen und Fahrpläne. Nur in Details unterscheiden sich die Entwicklungen.

Die Studentengruppe, die ihr System „unimob“ nennt, legt zum Beispiel Wert auf unterschiedliche Nutzertypen. Eingeschriebene Studenten werden Zugriff zu mehr Informationen haben als Gäste der Hochschule. Außerdem erhalten die Studenten nur Informationen über die Veranstaltungen, zu denen sie tatsächlich eingeschrieben wurden.

Beide Gruppen betonen den praktischen Nutzen. Über die hochschulinterne Kommunikation für vernetzte Gruppen könne ein Professor zum Beispiel alle Teilnehmer verständigen, wenn ein Kurs später anfange oder in einen anderen Raum verlegt werde.

„Ein Highlight unserer Anwendung ist, dass wir gleich ein System einbauen konnten, das wir in der Vorlesung kennengelernt haben“, sagt Telematik-Student Stephan Giehlow. Dank des sogenannten „OSGi“-Systems könnten neue Dienste nach dem Baukastenprinzip hinzugefügt werden. Über fehlende Arbeit habe seine Gruppe nicht klagen können. In der Phase vor der Fertigstellung kurz vor Weihnachten waren Arbeitszeiten von 9 bis 21 Uhr keine Seltenheit – wie bei Projektgruppen in Unternehmen.

Der Telematik-Chef an der TH Wildau, Ralf Vandenhouten, ist jedenfalls zufrieden. „Bei der Ortung von Personen und ihrer Navigation gibt es vieles, was die kommerziellen Systeme nicht haben“, sagt Vandenhouten. „Google“ setze zum Beispiel auf Satellitennavigation, die in Gebäuden natürlich nicht funktioniere. Darüber hinaus sei es praktisch, wenn studentische Gruppen bei ihrer internen Kommunikation keine SMS-Gebühren zahlen müssten, sondern die vorhandene Internet-Infrastruktur des Campus nutzen könnten. (Von Rüdiger Braun)

 

 
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Newsflash

Das Team der Dozenten im Studiengang Telematik wurde für seine herausragenden Leistungen in der Lehre mit dem Lehrpreis 2005 der TH Wildau ausgezeichnet.